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IN DER
UNTERWELT
Musikschule
Schöneck-Nidderau
2008
Urknall im Operettenall, damit ist gemeint, dass mit Orpheus in der Unterwelt 1858 diese Musiktheatergattung begründet wurde. Aber das ist zu kurz gesprungen; denn mit den Schmalz und Schmachtoperetten herkömmlicher 'Bauart' hat das Stück nur dem äusseren Anschein nach Ähnlichkeit. Es ist eine humorvoll-bissige Persiflage auf die Doppelmoral der damaligen Zeit. Die Originaldialoge bezogen sich eher auf die Situation um 1850 in Frankreich, aber das ausgehende Biedermeier in Deutschland bot eine ähnliche gesellschaftliche Konfiguration. Aktuell aber geht es auf der Bühne um die Firma 'Jupiter Lebensmittel (powered by Olymp)', mit dem CEO Jupiter an der Spitze....

Die griechische Mythologie war damals 'in' und diente als Vehikel, um mit einer gehörigen Portion Schalk, Humor und Übertreibung die 'bessere' Gesellschaft aufs Korn zu nehmen. Der Herr von Welt war damals natürlich verheiratet, hielt sich aber nebenbei mindestens eine Geliebte. Das wusste eigentlich jeder, aber niemand nahm es zur Kenntniss. Die ehelich angetraute fand die verschwiegen toleriert, ja sogar insgeheim anerkannte 'Freizeitbeschäftigung' ihres Göttergatten verständlicherweise nicht ganz so toll, sobald sie ihm erstmal auf die Schliche kam.
Wer nun aber denkt, die Männer seien an allem Schuld, der möge sich mal etwas genauer anhören, was Eurydike zu singen und sagen hat... Analogien zu den amourösen Abenteuern im Griechischen Götterhimmel boten sich damit geradezu an. Das ist das eigentliche Fundament der Storyline der allerersten Operette. Die Sagengeschichte von Orpheus und Eurydike ist lediglich ein sehr gut angepasstes Transportmittel.

Die Inszenierung der Musikschule ist temperamentvoll und schmissig, dabei aber immer sehr professionell; Langeweile hat nicht die geringste Chance. Man merkt allen Akteuren die Freude am Spielen und Singen deutlich an, egal ob Orchester, Chor, Ballett oder Solisten. Diese Freude wirkt ansteckend, sie teilt sich den Zuschauern mit. Das ging auch mir so, obwohl der Musikstil zugegebenermassen nicht unbedingt der ist, den ich mir zu Hause anhören würde. Das jedoch macht mein Fazit umso eindrucksvoller, hier ist es:

Sehr empfehlenswert, wer diese Orpheusaufführungen versäumt hat, der hat wirklich etwas versäumt.
Die erfrischend neue Inszenierung verlangt geradezu nach Aufführungen in einem grösseren Haus!!!